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Liquidität: Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens
Die Fähigkeit eines Unternehmens, fällige Zahlungsverpflichtungen jederzeit zu erfüllen.
Liquidität bezeichnet die Fähigkeit eines Unternehmens, seinen fälligen Zahlungsverpflichtungen jederzeit vollständig nachzukommen, unabhängig davon, ob das Unternehmen insgesamt profitabel ist. Sie unterscheidet sich damit grundlegend vom Gewinn: Ein Unternehmen kann in der Gewinn- und Verlustrechnung positiv dastehen und trotzdem zahlungsunfähig werden, wenn das Geld schlicht zum falschen Zeitpunkt eintrifft.
Ein häufiger Grund für Startup-Insolvenzen ist nicht fehlender Gewinn, sondern fehlende Liquidität: Rechnungen an Kunden werden erst nach Wochen bezahlt, während Löhne, Miete und Lieferanten pünktlich fällig sind. Diese zeitliche Lücke zwischen Auszahlung und Zahlungseingang lässt sich planen, aber nur, wenn sie überhaupt sichtbar gemacht wird.
In der Betriebswirtschaftslehre wird Liquidität oft in Graden unterschieden: Die Liquidität 1. Grades setzt liquide Mittel wie Kasse und Bankguthaben ins Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten, die Liquidität 2. und 3. Grades beziehen zusätzlich Forderungen und Vorräte mit ein. Für die tägliche Steuerung eines jungen Unternehmens ist diese Unterscheidung meist zweitrangig: Entscheidend ist ein rollierender Überblick, wie viel Geld tatsächlich auf dem Konto liegt und wann die nächsten größeren Ausgaben fällig werden.
Liquidität planen und Engpässe vermeiden
Ein bewährtes Werkzeug dafür ist die kurzfristige Liquiditätsplanung, oft auf Wochenbasis: Sie listet alle erwarteten Ein- und Auszahlungen der kommenden Wochen auf und macht Engpässe sichtbar, bevor sie akut werden. Anders als die Liquiditätsplanung im Businessplan, die monatsweise über einen längeren Zeitraum plant, dient dieses engmaschigere Werkzeug der unmittelbaren Steuerung.
Typische Ursachen für Liquiditätsengpässe bei Gründungen sind lange Zahlungsziele gegenüber Kunden, saisonale Schwankungen im Geschäft oder eine zu frühe, zu große Investition in Ausstattung oder Personal, bevor die entsprechenden Einnahmen tatsächlich fließen.
Um die Liquidität zu verbessern, helfen kürzere Zahlungsziele oder Anzahlungen bei Kunden, ein konsequentes Mahnwesen bei überfälligen Rechnungen sowie ein finanzieller Puffer oder eine vereinbarte Kreditlinie für unerwartete Engpässe. Wichtig ist, diese Maßnahmen nicht erst dann zu ergreifen, wenn das Konto bereits knapp wird, sondern die Liquiditätsplanung als festen Bestandteil der laufenden Buchführung zu etablieren.
Ein bewährtes Steuerungsinstrument neben der reinen Wochenplanung ist die sogenannte Reichweite der Liquidität: die Anzahl der Monate, die ein Unternehmen mit dem aktuellen Kontostand bei gleichbleibenden Ausgaben ohne weitere Einnahmen überstehen könnte. Diese Kennzahl, oft als "Runway" bezeichnet, ist besonders für junge Unternehmen mit noch schwankenden Umsätzen aussagekräftig, weil sie unmittelbar zeigt, wie viel Zeit für notwendige Anpassungen oder eine weitere Finanzierungsrunde tatsächlich zur Verfügung steht, bevor es kritisch wird.
Auch die Struktur der eigenen Zahlungsziele beeinflusst die Liquidität stark, oft stärker als die reine Umsatzhöhe: Ein Unternehmen mit hohem Umsatz, aber sehr langen Zahlungszielen gegenüber Kunden, kann trotzdem in eine Liquiditätsklemme geraten, während ein Unternehmen mit geringerem Umsatz, aber Vorauskasse oder kurzen Zahlungszielen deutlich stabiler dasteht. Wer neue Kundenverträge verhandelt, sollte Zahlungsziele deshalb bewusst als eigenständigen Verhandlungspunkt behandeln, nicht nur den nominalen Preis.
Für die Liquiditätsplanung lohnt sich außerdem eine klare Trennung zwischen bereits gesicherten und lediglich erwarteten Einzahlungen: Eine unterschriebene Bestellung mit festem Zahlungstermin ist etwas anderes als eine mündlich in Aussicht gestellte Order, auch wenn beide im Kopf schnell als "sicherer Umsatz" verbucht werden. Wer optimistische Annahmen ungeprüft in die Liquiditätsplanung einfließen lässt, riskiert, in einem Monat mit tatsächlich niedrigeren Einzahlungen kalt erwischt zu werden, obwohl die Planung auf dem Papier ausgeglichen wirkte.
Für Unternehmen mit mehreren Bankverbindungen oder Zahlungsdienstleistern lohnt sich außerdem eine zentrale, tagesaktuelle Übersicht über alle verfügbaren Mittel: Wer den tatsächlichen Kontostand über mehrere Konten hinweg nicht regelmäßig zusammenführt, verliert leicht den Gesamtüberblick und trifft Liquiditätsentscheidungen auf Basis unvollständiger Informationen. Ein einfaches, regelmäßig aktualisiertes Cockpit, das alle relevanten Konten auf einen Blick zusammenfasst, reduziert dieses Risiko deutlich, auch ohne aufwendige spezialisierte Software.
Für saisonale Geschäftsmodelle mit stark schwankenden Einnahmen lohnt sich außerdem ein bewusst höherer Liquiditätspuffer in den umsatzstarken Monaten, um die absehbar schwächeren Monate zu überbrücken. Wer den kompletten Überschuss guter Monate sofort reinvestiert oder ausschüttet, ohne diesen saisonalen Ausgleich einzuplanen, gerät in vorhersehbaren Nachfragetälern regelmäßig unter Druck, obwohl das Geschäftsmodell über das Jahr betrachtet wirtschaftlich durchaus tragfähig ist.